"Glatteis und Eisregen im Nordosten" – so lautete heute früh die allererste Schlagzeile auf tagesschau.de.
Gestern Abend hatten wir noch etwas über die Wetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes gewitzelt, denn bei uns in Waren war bei einem Blick aus dem Fenster nicht der geringste Niederschlag zu sehen.
Später hat uns ein Freund darauf aufmerksam gemacht, dass der Flughafen BER dicht ist. Ein Blick in die üblichen Nachrichtenportale zeigte, dass es überall um uns herum offensichtlich anders aussieht, als im Zentrum von Waren. Als wir später ins Bett sind und noch einmal rausgeschaut haben, zeigte sich auch der gesamte Platz vor unserer Ferienwohnung plötzlich ganz anders. Der Nieselregen, den es früher am Abend gab, hatte sich in eine dicke spiegelnde Eisschicht verwandelt.
Heute früh hatten sich die Straßenverhältnissen direkt vor unserer Haustür noch verschärft. Das kleine Sträßchen hinunter in die Fußgängerzone spiegelte so kräftig, dass uns nicht klar war, wie wir da überhaupt heil hätten runter kommen sollen. Nachdem wir aus den letzten knapp zwei Wochen wissen, dass Räumen und Streuen hier bedeutet, dass bestenfalls der (heute eh nicht vorhandene) Schnee über dem Eis weggekehrt wird und wir die unbeholfenen Gehversuche eines anderen Fußgänger beobachtet hatten, haben wir beschlossen, dass es das Risiko nicht wert ist und wir erst einmal in der gemütlichen warmen Ferienwohnung bleiben, statt nach Schwerin zu fahren und uns die Stadt anzuschauen.
Etwa um die Zeit, als unser Zug planmäßig in Schwerin hätte sein sollen, kam übrigens die Pushmeldung, dass dieser in Bad Kleinen endet und der Halt in Schwerin entfällt. (Zwanzig Minuten später wäre allerdings die nächste Regionalbahn von dort nach Schwerin gefahren.)
Ach ja, am Flughafen BER wurden heute früh auch wieder alle Flüge gestrichen, unser Nachbarlandkreis rief die Menschen dazu auf, den Aufenthalt im Freien möglichst zu vermeiden, die Ostsee hier oben soll nur noch von Schiffen befahren werden, die 60 cm dickes Eis brechen können und Hiddensee ist nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten.
Statt Schwerin bekamen wir hier aber noch ein tolles "Fernseh"-Programm geboten, als wir zufällig mal aus dem Fenster schauten. Ein Mann aus dem gegenüberliegenden Haus erfüllte dabei alle unsere Vorurteile über die Räumfähigkeiten der hiesigen Bevölkerung in Perfektion. Er kam mit einer Schneeschaufel daher – was hier schon ein ungewöhnlicher Anblick ist –, doch statt damit den Gehsteig vom Eis zu befreien, schaufelte er den Schnee aus seinem Hof nach außen über den Gehsteig auf die Straße. Anschließend befreite er die Eisfläche, unter der der Gehsteig lag, mit der bestmöglichen Gewissenhaftigkeit von jedem Schneekrümelchen, bis diese absolut blank spiegelte. Mehrfach hielt er inne und begutachtete die Eisbahn (aka Gehsteig) ausgiebig, aber entweder war er mit seinem Werk zufrieden, oder er hatte keine Idee, was man hier besser machen könnte.
Den ganzen Tag sind wir dann aber doch nicht in der Ferienwohnung geblieben, so dass wir euch auch ein paar Fotos vom Glatteis in Waren zeigen können. Das Foto #5 ist interessanterweise unmittelbar entstanden, nachdem ein Räumfahrzeug sich bemühte, diesen Weg von Schnee und Eis zu befreien. Wie ihr seht, war der Erfolg recht überschaubar. Wir haben es jedenfalls vorgezogen, nicht auf diesem Weg zu gehen. Es war übrigens nicht nur für uns Menschen glatt. Auch die Blässhühner sind auf dem Eis regelmäßig ausgerutscht und hingefallen, wie ihr in dem kurzen Video ganz unten sehen könnt. 😁
Das war es dann auch schon mit unserem Urlaub. Morgen geht es wieder heim. Wir werden halbwegs zeitig nach Berlin fahren, denn die eigentiche Geburtstagsfeier zum 60. Geburtstag von Marias Bruder findet erst am morgigen Samstag statt und da werden wir auch dabei sein, bevor es am Abend dann wieder zurück nach Nürnberg/Fürth geht.